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20.09. - 15.10. - Eva Möller, Giovanni Pellegrini und Helmut Nindl - Bilder, Objekte
Reflexionen

Ausstellungsdauer: 21.September - 15.Oktober 2005

EVA MÖLLER
präsentiert in dieser Ausstellung den Zyklus „Spiegel - Stadt“, entstanden in den Jahren 2000 bis 2005. Der Titel dieser Arbeiten drückt das Vorhaben der Künstlerin eindeutig aus:
Der Spiegel ist einerseits ein Zeichen der Eitelkeit und der Wollust, andererseits ein Symbol für Selbsterkenntnis, Klugheit und Wahrheit und physikalisch betrachtet ist ein Spiegel eine reflektierende Oberfläche, die so glatt ist, dass die reflektierten Lichtstrahlen im Ergebnis ein Bild wiedergeben. Die Stadt erzählt von Menschen, deren sozialen und emotionalen Konnexionen, wie z.B. von Ausgrenzung. Sie besteht aus Wohnanlagen, Produktionsstätten, Wissenschafts-, Bildungs- und Kulturinstitutionen. Sie ist gebunden an ihre Topografie und an ihre historische Entwicklung. Modernes Leben in Großstädten ist zu einem großen Teil von Konsum und Vergnügen geprägt und von Wirtschafts- sowie Machtverhältnissen, die sich stetig bilden und wandeln. Vergangenes beeinflusst Gegenwärtiges und Zukünftiges ist bereits in Planung.
Stellvertretend für „die Stadt“ steht hier Berlin, wo Eva Moeller lebt und arbeitet.
Sie gliedert die Malflächen ihrer Acrylbilder in bunte Farbflecke und geometrische Strukturen und schildert Fassaden moderner Glasbauten, Einkaufszentren, Straßenzüge mit Autoschlangen, Häuserfronten, sich widerspiegelnde Rolltreppen und eilig hastende Menschen. Lichteinfall, Verzerrungen der Linien und Transparenz - resultierend aus dem Farbauftrag - geben Reales als Illusion wider und bilden Zwischenbilder, die das Pulsieren des modernen, schillernden Lebens dieser Großstadt, deren Hektik und Illusionen reflektieren. „Ein bizarres Spiel, das zeigt, dass Illusionen zur Realität gehören und Bewegung in scheinbar Starrem liegt.“

GIANNI PELLEGRINI
verwendet seit 1985 in seinen zumeist großformatigen monochromen Bildern die Spur bzw. das Zeichen als bildnerisches Ausdrucksmittel. Die hier gezeigten Arbeiten gehören dem Zyklus “Cadute“ - entstanden 2001 bis 2005 - an.
Diese Zeichen - sinnlich erfahrbare Chiffren - trägt er mit kräftigem Gestus, sich überlagernd und kreuzend, von oben nach unten großzügig auf die Leinwand auf. Sukzessive aufgetragene Farbschichten lenken den Blick in eine haltlose Tiefe, ins Unendliche und Geheimnisvolle zu den Quellen der Erkenntnis und der Kontemplation. Christa von Helmolt (Frankfurter Allgemeine Zeitung) schreibt in ihrer Rezension „Pittura della memoria“ vom 5.8.2002: „Das Resultat ist eine positive Verstärkung der Malfläche, auf der die Farbe aus einer inneren und geheimnisvollen Notwendigkeit ins Fließen gerät.“
Diese eben beschriebene oszillierende Tiefenwirkung, sowie der Verzicht auf Schatten und jegliches statische Moment zeichnen Pellegrini’s Intentionen aus. Sein Hauptaugenmerk gilt dem Licht, der Dunkelheit und dem Malakt selbst. Ausgehend von der Tradition der klassischen Abstraktion basieren seine Arbeiten auf handwerklichem Können und somit ist seine Malerei eine Synthese von Gefühl und Rationalität.

HELMUT NINDL
Sein künstlerisches Vorgehen zeichnet das Spiel mit den Materialien, vor allem Glas, Metall, Stein etc. aus. Durch das Einsetzen verschiedener Ebenen, sprich Ebenen der Wahrnehmung ergeben sich interessante räumliche Aspekte und Überlagerungen sowie Raumtiefe, die auch das Umfeld mit einbezieht. Mit der Einflechtung von grafischen Momenten wie Strukturen und Schriftzeichen mit symbolischer Bedeutung werden Botschaften der Erweiterung der menschlichen Sichtweisen und wertfreien Assoziationen, die Korrelationen zwischen den Kulturen ermöglichen, vermittelt. Ein besonderes Anliegen ist ihm das Wechselspiel von Licht und Schatten, das unweigerlich die Dimension der Zeit in sich birgt. Schon Platon (427 – 347 v. Chr.) bemerkte: „Ihre Existenz ist nur an die Gegenwart gebunden, Vergangenheit existiert nicht mehr, das Zukünftige gibt es noch nicht. Das Jetzt ist unteilbar. Das Bild der Welt ist unumwandelbar und letztlich uneinsehbar, es ist eine Welt der Ideen.“ Diese Worte stehen exemplarisch für die Aussage in Helmut Nindls Werken.
Die Installation „Raummedium“ besteht aus drei Stahlsockeln in denen je eine Panzerglasscheibe von 27 mm Stärke eingefügt ist. Durch die stabile molekulare Struktur hat Glas die Bedeutung für Festigkeit und Transparenz. Die Glasscheiben sind mit den Schrift-Zeichen Medium trägt die Botschaft versehen, beginnend mit der ersten Scheibe, sprich der ersten Ebene der Wahrnehmung. Bei den folgenden zwei Scheiben ist der Textkörper um jeweils weitere 90° verdreht. Die Textteile sind mit raumgreifenden Strukturen und visuellem Rauschen begleitet und schrauben sich spiralförmig in die Raumtiefe. Von den Sockeln ausgehend werden die Glasteile mit gefärbtem Licht: gelb, rot und blau beleuchtet. Betrachtet man die Installation von vorne entsteht eine Überlagerung von Wörtern, Strukturen, Farben, Glas, Luft, Raum und Licht. Diese Komplexität erschwert das Lesen und Erkennen der vorhandenen Text-Botschaft. Mit einem Schritt zur Seite kann man der komplexen Dichtheit entweichen, die einzelnen Teile der Aussage sind zu entschlüsseln und der Inhalt wird nachvollziehbar.
Das Werk „Sinne“ zeigt drei Glasebenen hintereinander in einem Holzrahmen montiert. Die erste Ebene versinnbildlicht die Botschaft, die zweite Ebene leitet diese weiter und auf der dritten Ebene findet sich die Darstellung eines menschlichen Gehirns, dem Sinnessorgan, welches diese Mitteilung wahrnimmt und individuell verarbeitet.
In der Arbeit „View / Sicht“ ist der Aspekt des Blickes, die Betrachtungsweisen und Wahrnehmungen jedes Einzelnen und deren persönliche Hintergründe das Thema. Die Botschaft des Objektes ist in der untersten der 4 übereinanderliegenden Ebenen zu finden, im Teil darüber ein Fingerprint, dem Symbol für Individualität. Die dritte Ebene zeigt auf der Vorderseite einen Ausschnitt einer abstrahierten Baumkrone und auf der Rückseite einen stilisierten Eisenschrotthaufen. Zwischen diesen beiden Extremen, dem Leben - dargestellt in Form der Baumkrone - und dem Tod, ausgedrückt durch den Eisenschrotthaufen (Abfall) befindet sich ein Spektrum von den verschiedensten Formen des Seins. An der vierten und somit letzten Ebene sind in ungefährer Augenhöhe vorne und rückwärts Glaslinsenteile - eine Streu- und eine Sammellinse – angebracht, ein Hinweis auf die Wahrnehmung einer individuellen Sichtweise, deren Wert einzigartig ist.
Im obersten Teil des Objektes „Raumkreuz“ ist ein Kubus integriert, der in seine drei räumlichen Achsen gegliedert ist. In jeder dieser drei Raumachsen sind Bildebenen aus Glas eingefügt mit grafisch gestalteten Strukturen und Bildern, die sich überschneiden und überlagern. Die x-y-z-Raumkoordinaten sprechen für sich: Aufhebung aller Gegensätze, Verknüpfung von Zeit und Raum oder Natur als Parameter, der Mensch als einzigartiges Individuum innerhalb der Gesellschaft, jedoch permanent gefährdet von Destruktivität, wie Krieg, Machtstrukturen etc.


Biografien:

Eva Möller
geboren 1942 in Thüringen (D)
1979 – 1985 Hochschule der Künste Berlin, Fachbereich freie Malerei (Prof. Merbitz)
Mitglied: VdBK (Verein der Berliner Künstlerinnen e.V.), GEDOK, BBK (Berufsverband bildender Künstler)
lebt und arbeitet in Berlin

Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl):
2004      Verborgenes Museum, Berlin
2003      Werkstatt Galerie Owens, Renchen-Südbaden
2002      Galerie im Parlament, Abgeordnetenhaus Berlin
2001      Galerie Punkt, Danzig, PL
2000      Galerie RMS, Berlin
               Kulturamt Weifang, China (chinesisch-deutscher Künstleraustausch)
               Galerie am Neuen Palais, Potsdam
1999      Art Automobile Köln
1998      Galerie elmenwood, Potsdam - Babelsberg
                Kommunale Galerie Berlin – Wilmersdorf
1995      Château de Bourglinster, „Luxemburg – Kulturhauptstadt Europas 1995“
1994      Galerie im Warmbad, Buckow – Märkische Schweiz
                Kulturamt Kazimierz Dolny, PL (polnisch – deutscher Künstleraustausch)        
                Schadow – Atelier, Berlin
1991      Kulturverein Ausserdem, Kremsmünster
1990      Community Center Kiriat Bialik, Israel
1988      Galerie Goltzstraße, Berlin
1987      Schwartzsche Villa, Kunstamt Berlin - Steglitz

Gianni Pellegrini
geboren 1953 in Riva del Garda (Trento / Italien)
Studium am DAMS (Discipline delle Arti, della Musica e dello Spettacolo) in Bologna
lebt und arbeitet in Riva del Garda / Trento

Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl):
2003      Galerie Stracke, Köln
2002      Westend Galerie, Frankfurt
               O’artoteca, Mailand
2000      Palazzo Trentini, Trient
1999      Galleria d’Arte Moderna, San Marino
1998      Galleria Plurima, Udine
1997      Palazzo Ducale, Mantua
1996      Galleria Vanna Casati, Bergamo
1995      Studio L’ Argentario, Trient
1994      Palazzo della Permanente, Mailand
                Museo d’Arte Contemporanea, Bozen
1992      Galleria San Luca, Bologna
1990      Opera Bevilacqua La Masa, Venedig
1989      Galleria Nuova 2000, Bologna
                Galleria Il Sole, Bozen
1986      Stadtturmgalerie, Innsbruck
1985      Palazzo delle Albere, Trient
1984      Casa del Mantegna, Mantua
1983      Galleria Ferrari, Verona
1978      Galleria L’ Indiano grafica, Florenz
1977      Galleria Loreto, Rovereto

Helmut Nindl (Kurzbiografie)
geboren 1955 in Kramsach, Tirol
HTL-Innsbruck, Bildhauerei
Studium mit Diplom an der Akademie der bildenden Künste München
Restaurierungsarbeiten für Stukkaturen
Lehrtätigkeit an der Glasfachschule Kramsach, Kolleg, Aufbaulehrgang und Fachschule
Freischaffende Tätigkeit als Bildhauer seit 1979
Studienaufenthalte und Reisen in USA, Italien, Holland, Frankreich, Ungarn, Deutschland, Schweiz, Spanien, Großbritannien
Mehrere 1. Preise bei Wettbewerben
Werke in privaten Sammlungen, sowie in Sammlungen von Bund und Land Tirol
Seit 1983 Ausstellungen in Deutschland, Italien, Schweiz und Österreich

 
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