info@galerienothburga.at . Öffnungszeiten: Mi - Fr 16 - 19 Uhr & Sa 11 - 13 Uhr

Johannes Davies und Sophie Gruber

07.04.2026 - 02.05.2026

Other Fantasies
Was erzählen Zukunftsspekulationen über uns Menschen? Was sagen die Eigenschaften, die wir Technologien zuschreiben, über unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche aus? Unsere impliziten Ideen und Erzählungen über die Zukunft geben vor, wie sich unsere realen Technologien und unser Zusammenleben entwickeln. Wir Menschen streben nach Kontrolle, danach, Maschinen nach unserer Vorstellung zu formen. Gleichzeitig fehlt es uns nicht an fiktiven Erzählungen, in denen intelligente Maschinen die Überhand gewinnen und die Macht ausnutzen, die wir ihnen zuvor übertragen haben.

Die Kunsthistorikerin Chus Martínez beschreibt den menschlichen Wunsch zu dominieren, sowie die menschliche Furcht vor einem Szenario, in dem unsere technologischen Erzeugnisse uns in Hinblick auf Destruktion und Unterdrückung über den Kopf wachsen. Sie schlägt vor, dass wir andere Fantasien nutzen, um uns einer Realität anzunähern, in der wir tatsächlich leben wollen. Fantasie, so Martínez, erlaubt uns eine Annäherung an eine Welt, die wir uns vorstellen, die wir aber noch nicht realisieren können. Fiktion, das zweite Werkzeug der Wahl, bildet eine Brücke von der Gefühlswelt und Vorstellungskraft eines Individuums zum nächsten.

Welche Fantasien prägen unsere Welt in der Gegenwart, und wie könnten andere, neue Fantasien aussehen, die uns eine Welt visualisieren lassen, in der empathische

Bande geknüpft, Gemeinschaften gebildet und mehr-als-menschliche Populationen geachtet werden?

Diesen Fragen widmet sich die Ausstellung Other Fantasies von Johannes Davies und Sophie Gruber. Davies’ Auseinandersetzung mit Überwachung, Repression und Kontrolle bildet die uns vertraute Richtung technologischer Weiterentwicklung ab, in der Gesellschaften gläserner und fremdgesteuerter werden. Gruber strebt in ihren eskapistischen Arbeiten danach, eine Welt abzubilden, die völlig frei von menschlicher Beeinflussung ist und die sich bereits vom Anthropozän erholt hat. Beide suchen in ihrer Kunst nach Möglichkeiten, Technologien einzusetzen, um eben deren Rolle zu hinterfragen, kritische und unerwartete neue Szenarien zu schaffen. So entstehen Parallelwelten in Computerprogrammen, die aus dem Alltag einer Überwachungskamera erzählen, das Gefühl von Sicherheit in Klang übersetzen oder die Form ungestört glatter Seen einnehmen, auf deren Oberfläche das Licht virtueller Sonnen glitzert. In der Ausstellung werden Rauminstallationen (Keramik, Textilien, Sound), Zeichnung, Mezzotinto, Bildhauerisches und Drucke digitaler Arbeiten gezeigt. Interaktives lädt ein, selbst Teil des Kunstgeschehens zu werden.

Sophie Gruber, MEd ist künstlerisch im Bereich der Medienkunst und Installation tätig. Die 1998 in Salzburg geborene Künstlerin lebt und arbeitet in der Schweiz. Sie hat in Innsbruck Bildnerische Erziehung und Französisch auf Lehramt studiert. Ihre Arbeit greift Fragen an die Zukunft, den Einsatz digitaler Technologien und den Transhumanismus auf und spielt sich in sinnlichen digitalen Welten ab.

Shrimp
„Unser Ozean ist der Schlüssel zur Entdeckung außerirdischen Lebens“, so titelt National Geographic in einem 2025 veröffentlichten Artikel über den Astrobiologen Kevin Hand und sein Buch „Alien Oceans: The Search for Life in the Depths of Space“(2020). Die Suche nach Leben in den Tiefen des Weltraums soll in den nächsten Jahren auf eisbedeckten Monden wie Europa oder Titan Form annehmen. Forscher:innen wie Hand gehen davon aus, dass die Grundlagen für die Entstehung und Aufrechterhaltung verschiedener Lebensformen in den uralten Ozeanen unter dem Eis gegeben sein könnten.

Wie stellen wir uns Leben in extraterrestrischen Ozeanen vor? Andersartig, fluoreszent, mikroskopisch oder einfach gerade so faszinierend wie die unfassbare Vielfalt, die unsere Erdozeane bevölkert?

dort.
Die Installation mit Textilbahnen und Sound im Loop fand ihre Anfänge im 3D-Programm. An diesem Punkt war die durchscheinende Landschaft noch aus allen Winkeln betrachtbar, nicht jedoch physisch greifbar. Als Motiv auf semitransparenten Textilbahnen nimmt die einst digitale Landschaft im uns bekannten Raum Form an und bleibt dennoch ein Abbild einer fremden Sphäre. Das Spiel mit Licht und Schatten, das sanfte Sich-Regen der Bahnen beim Vorübergehen und das Ausstellungsgeschehen im Umkreis lassen uns mit beiden Füßen fest am Boden verharren, während wir von dort. träumen.

dort.
Virtuelle Sonnen glitzern auf den künstlichen Gewässern, die zahlreichen Spiegelungen der Umgebungswelt geben Hinweise darauf, wie es dort. aussieht und wie es sich anfühlt und anhört, dort. zu verweilen. Dennoch wird uns kaum Einblick gewährt, wir können nur ahnen, womit wir es zu tun haben. Was befindet sich unter der Oberfläche? Was könnte sich tatsächlich in den Wellen spiegeln?

Wenn wir Mehr-als-menschlich meinen, kommen wir nicht ohne das „menschlich“ aus. Wir denken über uns hinaus, und stellen doch den Bezugspunkt dar, der unsere Betrachtungen formt. In ihrer raumgreifenden, zart durchscheinenden und sanft klingenden Installation nimmt uns Sophie Gruber mit, um mit ihr von einer weit entfernten Welt zu träumen, die wir Menschen uns noch nicht erschlossen haben. Die Künstlerin überführt ihre vorerst digitalen Landschaften in den analogen Raum und lässt uns mit allen Sinnen in ihre Vorstellung dieser Welt eintauchen.

Johannes Davies, geboren 1996 in Hall i. T., lebt in Mils bei Hall.
Studium am Mozarteum Salzbug Standort Innsbruck und an der Universität Innsbruck (Bildnerische Erziehung, Physik, Technisches und Textiles Werken)
2019 - 2020 Studentischer Mitarbeiter im Bereich Bildhauerei am Mozarteum
2020 - 2023 Studentischer Mitarbeiter im Bereich CAD / 3D-DruckSeit 2021 Lehrer am BG/BRG Sillgasse in Innsbruck
Seit 2023 Mitglied im Team der Galerie Nothburga
Das Werk setzt sich mittels Grafik, Bildhauerei und digitalen Medien mit Themen wie Sicherheit, Rassismus und zwischenmenschlichen Beziehungen auseinander.

SICHERHEIT - SAFETY – SECURITY?
"Wie sicher fühlen Sie sich?" Mit dieser Fragestellung wird das "subjektive Sicherheitsgefühl" in der Bevölkerung ermittelt. Doch was bedeutet Sicherheit überhaupt? Was gibt Ihnen Sicherheit, was verunsichert Sie? Was geben wir dafür auf? Wie klingt Sicherheit?

Die Auseinandersetzung mit der Ambivalenz des Begriffs erfolgte in einer Serie von Arbeiten, die von Grafik über Keramik bis zu einer interaktiven Computerspielwelt reichen. Die Arbeiten hinterfragen politische Maßnahmen zur Stärkung des öffentlichen Sicherheitsgefühls, die oft nur den Bau von Mauern, die Installation von Kameras und die Militarisierung der Polizei umfassen,

Keramikstahlhelme zur Stärkung des subjektiven Sicherheitsgefühls.
2018 / ursprünglich 20 Helme
„Ausgangspunkt dieser Arbeit war ein verrosteter Stahlhelm, den ich eines Sommers im Geröll des Bachbettes neben meinem Elternhaus ausgegraben habe. Im politischen Klima traten damals in Folge der sogenannten "Flüchtlingskrise" sehr bedrohliche Tendenzen wieder zu Tage. Ich entschloss mich daher, den Helm für die Arbeit in Keramik zu replizieren. Die Materialität sollte dabei bewusst als Statement verstanden werden. Ein guter Teil des Helms war bereits weggerostet und die Oberfläche sehr rau, sodass ich ihn erst mit Ton überzog und das große Loch ergänzte, um anschließend eine Gipsform anzufertigen. Diese Gießform wird dann für das Verfahren komplett mit Gusston gefüllt. Wenn sich am Gips eine ca. 4 -5 mm Starke Schicht abgesetzt hat, wird der restliche Ton wieder

herausgeschüttet. Einen Tag später kann der Helm dann aus der Gussform genommen und händisch versäubert werden. Darauf folgen nach dem Durchtrocknen der Schrühbrand, das Glasieren und der Glasurbrand. In diesem Verfahren habe ich 20 Helme angefertigt.

Im Jahr 2024 hat der chinesische Künstler Ai Weiwei übrigens in Gmunden unter dem Titel "Untitled (Helme)" eine optisch nahezu identische Arbeit anfertigen lassen, wenn auch den unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten geschuldet mit 175 Helmen wesentlich größer.“

Zur Farbe der Glasur
Weiß steht für Frieden
Weißhelme ziehen in Syrien Menschen aus den Trümmern bombardierter Häuser
Weiß steht im Militärischen Kontext für Kapitulation
Weiß steht für klinische Reinheit und Sterilität
Weiß wird über den Doktorkittel mit Wissen und Expertise in Verbindung gebracht
Weiß ist die Farbe der Unschuld
Weiß ist der Neuschnee
Weiß ist das unbeschrieben

Partizipative Klanginstallation „Sicherheitsklänge“
Die Soundinstallation besteht aus zwei Lautsprechern aus Keramik, die in Dauerschleife eine Sammlung von Klängen wiedergeben, die Menschen mit dem Wort "Sicherheit" assoziieren. Diese partizipative Arbeit wächst durch die Klänge, die Betrachtende dem Künstler zusenden.

"Rapoldipark Panopticon"
Das Computerspiel ist ein Schlüsselwerk von Johannes Davies - spiegelt lokale Entwicklungen im Zusammenhang mit Sicherheit. Unter diesem Link sind neben dem Spiel ein Videotrailer und eine Beschreibung zu finden: https://spielkunst.itch.io/rapoldipark-panopticon.

Der rote Faden der gezeigten Zeichnungen und Druckgrafiken ist der Mensch. In der Grafikserie „Unterwegs“ etwa spürt Davies der Zwischenmenschlichkeit in den Weißräumen zwischen Menschen im öffentlichen Raum nach und interpretiert diese neu.

"Primitiver Eisenwandteppich"
"Positiver Rassismus oder die Angst weißer Männer"
beschäftigen sich bildhauerisch mit dem Thema Rassismus.

Vernissage Fotos 7.04.2026

Fotos v. Sarah Davies, Birgit Bodner, Elisabeth Ehart-Davies, Anna Maria Achatz

X JUBILÄUMSBROSCHÜRE
"Galerie Nothburga, 1995 - 2025"

in der Galerie erhältlich!